Zahlenspiele

(Vorneweg ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Wir würden ja gerne mit Frau von der Leyen reden ..)

*von Gabriele Gawlich*

Da immer wieder die Frage aufkommt, ob beim Kinderschutz gespart wird oder nicht, habe ich hier mal einige Statistiken aufbereitet, die den Kinder- und Jugendschutz betreffen.

Es ist schwierig zu spezifizieren, was genau dazu zu rechnen ist, darum habe ich die Kinder- und Jugendhilfestatistik als Grundlage genommen. Bezug nehmend auf die Definitionen des Statistischen Bundesamtes[1] habe ich Folgendes dazu gezählt: Ausgaben für Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Förderung der Erziehung in der Familie, Hilfen zur Erziehung und sonstige Hilfen.

Bei den Einzelfallzahlen habe ich Folgendes berücksichtigt: Betreuung einzelner junger Menschen plus sozialpädagogische Familienhilfen (betreute Familien).

Begonnen habe ich mit dem Jahr 1992. Zahlen aus den Jahren davor sind nur bedingt miteinander vergleichbar, es gab wohl ein ziemliches Chaos nach der Ost-/West-Vereinigung und es hat etwas gedauert, ehe die Statistiker so in die „Puschen“ gekommen sind (dies ist kein Vorwurf, nur eine Erklärung).




























































































































Mittel für den Kinderschutz wie oben spezifiziert
In Milliarden Euro, gerundet[2]
Steigerung in %Fallzahlen wie oben angegeben am 31.12. des jeweiligen Jahres[3]Steigerung in %
19924,35-24166-
19935,0215,4250953,84
19945,321,84251313,99
19955,3623,222747713,7
19965,5327,132868218,69
19975,9135,863197832,33
19986,0138,163401040,73
19996,2543,683696152,95
20006,5650,84153771,88
20016,8757,934454384,32
20027,3168,054687393,96
20037,3869,664965493,96
20047,3268,2852253116,23
20057,3869,6655825131,01
20067,3869,6658212140,88
20077,8179,5469223186,4

Hier noch mal als Grafik:

Kinderschutzausgaben versus Fälle

Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich in Deutschland immer mehr Kinder und Familien, die sich in Schwierigkeiten befinden, Hilfen erhalten, für die die Bereitstellung der finanziellen Mittel in den letzten 5 Jahren nicht wirklich gestiegen ist.

Dies kann mehrere Gründe haben.


  1. Es ist möglich, dass die Menschen in Deutschland gegenüber Kindern sensibler und aufmerksamer geworden sind, und darum Kindern resp. Familien eher und öfter geholfen werden konnte – dies will ich ausdrücklich positiv feststellen.

  2. Es ist möglich, dass sich die Notsituationen von Kindern resp. Familien tatsächlich größer geworden sind. Das kann viele Gründe haben - auf einen möchte ich besonders hinweisen.


Vorweg: mir ist bewusst, dass auch Kinder, die in Armut aufwachsen zu glücklichen Erwachsenen heranwachsen können, die ihre Zukunft aktiv gestalten können; so wie Kinder, die in Wohlstand leben, dieses Ziel verfehlen können. Aber auch das Bundesjugendkuratorium, ein Gremium, das gesetzlich dafür eingerichtet wurde, um den jeweils zuständigen Bundesminister zu beraten, zeigt sich besorgt über die Armutssituation der Kinder in Deutschland[4].

Wissenschaftliche Studien, besonders aus Amerika, zeigen, dass Kinder, um sich gut entwickeln zu können, ein zufriedenes und ausgeglichenes Herkunftsmilieu brauchen, materielle existenzielle Sicherheit, die Vermittlung von Zukunftsperspektiven durch die Erwachsenen. Solche Bedingungen fehlen aber in Familien, die von Armut betroffen sind. Die Folgen sind klar. Menschen, die schon von frühester Kindheit an keine Chance auf eine gute Zukunft haben, können den Glauben an die Gesellschaft verlieren.

Manche reagieren so, wie die beiden jungen Männer in München, die scheinbar ohne jedes Mitgefühl einen Mann zu Tode prügelten. Es wird zzt. in den Medien darüber berichtet, dass sie aus schwierigen Verhältnissen stammen - Hilfe gab es für sie nie. Dass der Betreuer des einen Jungen über diesen sagt, er sei eine verlorene Seele gewesen, zeigt nur die Hilflosigkeit dieses Betreuers.

Noch ein Vergleich:

Der o.a. Kinder- und Jugendschutz kostete im Jahr 2007 jeden Bundesbürger ca. 95,00 Euro. Das Konjunkturpaket II kostet jeden Bundesbürger ca. 121,00 Euro.

Manchmal bekommt man auch Antworten auf Fragen, die man nicht gestellt hat. Darum will ich jetzt noch eine andere Statistik einstellen. In letzter Zeit wird ja immer öfter betont, dass sehr viel für den Ausbau der Kinderbetreuung getan wurde – dies ist wahr. Aber wofür wird das Geld genau verwendet?

































JahrAusgaben für Tageseinrichtungen für Kinder. In Milliarden Euro, gerundetSteigerung in %Pädagogisch tätige Personen in Kindertageseinrichtungen mit Leitungskräften[5]Steigerung in %
19989,89-332625-
200210,9510,713464984,17
200611,819,313527716,06

Hier noch mal als Grafik:

Ausgaben Tageseinrichtungen und qualifiziertes Personal

Das heißt zusammenfassend, während sich die bereitgestellten Mittel für Kindertageseinrichtungen in den Jahren zwischen 1998 und 2006 um ca. 20 % erhöhten, erhöhte sich die Anzahl des pädagogischen Personals (Vollzeitäquivalente) nur um ca. 6 %. Wo bleibt also das Geld - in den neuen Gebäuden? Sicherlich, Kinder brauchen auch gute Gebäude, aber wenn diese voll frustriertem, weil überarbeitetem Personal sind, ist das nicht förderlich für die Entwicklung von Kindern. Oder versickert es auf dem Weg zwischen Verwaltung, Trägern und Einrichtung?

Wie wichtig sind unserer Gesellschaft unsere Kinder?


Quellen:

[1] Definition "Kinder- und Jugendhilfe" des Statistischen Bundesamtes

[2] 13. Kinder und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

[3] Statistisches Bundesamt: "Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Ambulante erzieherische Hilfen"

[4] Bundesjugendkuratorium, Pressemitteilung: "Kinderarmut in Deutschland muss wirksam reduziert werden"

[5] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Das Personal in Kindertageseinrichtungen: Entwicklungen und Herausforderungen"