Gemeinsamer Brief von MOGiS e.V. - Eine Stimme für Betroffene, TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e.V. und Projekt 100% MENSCH an die Mitglieder des isländischen Parlamentes

Island debattiert über gesetzlichen Schutz vor Genitalverstümmelung für Kinder jeglichen Geschlechtes.

In einer Gesetzesinitiative von Abgeordnet*innen verschiedener Parteien des Isländischen Parlamentes wird vorgeschlagen, den in Island bestehenden gesetzlichen Schutz von Mädchen vor allen Formen von Genitalverstümmelung auf Kinder jeglichen Geschlechtes auszuweiten.

TERRE DES FEMMES e.V. – Menschenrechte für die Frau e.V., Projekt 100% Mensch und MOGiS e.V. - Eine Stimme für Betroffene begrüßen diesen Gesetzesvorschlag und haben sich mit einem gemeinsamen Schreiben an die Mitglieder des Parlamentes gewandt.

Lesen Sie hier die deutsche Übersetzung des offenen Briefes:


Berlin, 20. März 2018

Sehr geehrte Mitglieder des Parlamentes in Island,

wir,

  1. TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V.
  2. MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene
  3. Projekt 100% MENSCH

wenden uns an Sie aus Deutschland.

In Kürze werden Sie einen Gesetzesvorschlag diskutieren, der vorsieht, den bestehenden Schutz von Mädchen vor anteiligem oder vollständigem Entfernen der Genitalien auf Kinder jeden Geschlechtes auszuweiten.

Wir begrüßen diesen Vorschlag mit seinem menschenrechtlichen Fokus absolut.

Der Schutz von Kindern vor nicht-medizinisch indizierten Genitaloperationen ist keine Frage von Religion, Kultur oder Geschlecht.

Es geht vielmehr um die Selbstbestimmung eines jeden Menschen über den eigenen Intimbereich.

Menschenrechte sind unteilbar.

Ein ungleicher Schutz von Kindern je nach äußeren Genitalien ist daher aus ethischen Gründen zurückzuweisen.

Wir stimmen mit Ihnen überein, dass es sich hier um ein sehr sensibles Thema handelt, welches kulturelle und religiöse Traditionen von vielen Menschen berührt.

Wir verwahren uns jedoch mit großer Bestimmtheit dagegen, wenn der Einsatz für die Rechte aller Kinder auf genitale Selbstbestimmung von einigen Wenigen genutzt wird, um ihren Hass auf religiöse und kulturelle Minderheiten auszuleben.

Wir schätzen die klare Formulierung des Gesetzesvorschlages sehr, die deutlich macht, dass es hier ausschließlich um die Gleichberechtigung, die körperliche Integrität und das Recht auf Selbstbestimmung von Kindern geht.

Wir bitten Sie, dem Vorschlag zuzustimmen. Er ist ein wichtiges Signal der Hoffnung und Toleranz in die ganze Welt: Jedes Kind hat das Recht auf Akzeptanz mit den vollständigen Genitalien, mit denen es geboren wird.

Bitte nehmen Sie den Aufruf zum jährlichen “Weltweiten Tag der genitalen Selbstbestimmung” am 7. Mai zur Kenntnis. Sie finden dort die Liste von 50 Organisationen aus 12 Ländern und fünf Kontinenten, die u.a. folgende Forderung stellen:

"Gesetzesinitiativen weltweit, die den Schutz aller Kinder unabhängig vom Geschlecht vor nicht-therapeutischen Genitaloperationen vorsehen.“

Genau dies kann Ihre Zustimmung zur Gesetzesänderung in Island umsetzen helfen.

Bitte zögern Sie nicht, bei Fragen mit uns in Kontakt zu treten.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Idah Nabateregga
Fachrefererat Genitalverstümmelung
TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V.
genitalverstuemmelung@frauenrechte.de

Holger Edmaier
Geschäftsführer Projekt 100% MENSCH
kontakt@hundertprozentmensch.de

Victor Schiering
Vorsitzender MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene
victor.schiering@mogis-verein.de


Hier der offizielle Brief im englischen Original