Die Forderung nach der Ultima Ratio

von Tante Jay

Der Name des Verein, MOGiS, stand am Anfang offiziell für "MissbrauchsOpfer gegen Internet-Sperren".

Doch es geht um soviel mehr. Es geht in der Tat um nicht weniger als vernünftige Maßnahmen, um Menschen, nicht nur Kinder, vor Übergriffen zu schützen und Opfern solcher Übergriffe wirksam zu helfen.

Und genau das ist das Stichwort. Vernünftige Maßnahmen.

Derzeit hat die Diskussion jedoch wieder einmal jegliches Maß und Ziel verloren. Die Hysterie geht inzwischen soweit, dass "jedes Mittel recht sein muss" um Kinder zu schützen.

Manche versteigen sich, wie Frau Stöcker-Gietl, in der Tat dazu, die Kastration von Sexualstraftätern zu fordern.

Nur einmal angenommen, das Mittel würde in der Tat zum Ziel führen (tut es nicht, aber das später), wie stellt sie sich das jetzt genau bei Frauen als Tätern vor?

Denn auch das ist ein totgeschwiegenes Thema, Frauen missbrauchen. Sie missbrauchen seelisch, sexuell - ganz genau wie Männer. Kindesmisshandlung und -missbrauch ist keine ausschließlich männliche Domain.

Und glaubt sie in der Tat, es würde Kinder schützen, wenn straffällige Pädophile kastriert werden? Wäre der Trieb, sich an Kindern zu vergreifen, dann wirklich weg?

Nein, man nimmt vielleicht das Instrument weg, aber nicht den Trieb. Und das ist für die Kinder, die ja angeblich mit allen Mitteln geschützt werden sollen eventuell fatal.

Denn den Trieb zu haben, das Opfer vor sich zu haben und dann nichts tun zu können, endet aufgrund der großen Frustration für die Kinder manchmal tödlich.

Sie werden dann vom Täter getötet, weil dieser anders dem Druck nicht mehr stattgeben kann.

Würde ihre unsägliche Forderung, die Täter zu entmannen (das Wort alleine fixiert sich auf Männer, nochmal: Auch Frauen missbrauchen und das wird völlig unter den Tisch gekehrt), stattgegeben, das Leid vieler Kinder würde enden. Aber dann endgültig.

Diese Erkenntnisse sind nicht die meinigen. Sie sind gewachsen in einer Vielzahl von Menschenversuchen, als man in den 60er und 70er Jahren Sexualstraftäter aus genau dem Grunde kastriert hat.

Und danach feststellen musste, dass man damit tickende Zeitbomben schuf.

Eine Journalistin, die ihren Beruf ehrt, kennt solche Hintergründe und berücksichtigt sie in ihrem Schreiben. Und vielleicht wäre dann auch die Einsicht gekommen, dass der Zweck zu keiner Zeit, auch bei diesem Ziel, die Mittel nicht heiligt.

Und vielleicht wäre dann auch die Erkenntnis gekommen, dass das Strafrecht bei diesen Verbrechen das falsche Recht ist. Das Strafrecht wird dem Opfer nicht gerecht. Und eine Strafe, egal wie sie ausfällt, wird nichts ungeschehen machen.

Strafrecht ist gut für Semi-Betroffene, die von einem furchtbaren Fall hören und sich dann gut fühlen wollen, weil der Täter bestraft wurde.

Doch, und diese Frage muss erlaubt sein, wieso kann es in diesem Land sein, dass auf die Gefühle der Zuschauer mehr Rücksicht genommen wird als auf die Gefühle von Opfern?

Ich würde Frau Stöcker-Gietl bitten sich zu informieren. Das hat noch niemals dümmer gemacht. Und aus dem Bauch heraus schreiben ist auch keine gute Idee.

Schon gar nicht bei diesem Thema.

Tante Jay

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