An Bodo Kirchhoff

 

Sehr geehrter Herr Kirchhoff,

Ich schreibe Ihnen hier, weil ich sonst keine Möglichkeit gefunden habe mit Ihnen direkt in Kontakt zu treten.

Ich möchte Ihnen danken für Ihren unglaublichen Mut Missbrauch etwas differenzierter darzustellen. Dafür war ich Ihnen schon bei Ihrem Artikel "[Sprachloses Kind]( "'Sprachloses Kind' - Artikel von Bodo Kirchhoff")" dankbar.

Umso mehr danke Ich Ihnen für Ihren Mut in einer Sendung zu diesem Thema offen und live zu sprechen. Dies gerade auch deswegen, weil Sie sich, wie am [Montag Abend bei Beckmann]( "Beckmann: Tabuthema Missbrauch: Die Mauer des Schweigens bricht"), der Fehl- und Missdeutung durch Nichtbetroffene entgegenstellen und dabei teilweise dem Zwang ausgesetz sind sich doch bitte in die Vorstellung der Anderen, davon was Missbrauch wäre und wie man als Betroffener zu sein hat, anzupassen.

In meiner eigenen Arbeit merke ich selber immer wieder, das ein Teil der Betroffenen Ihren Missbrauch nicht als gewalttätig wahrgenommen hat und auch jetzt noch nicht als gewalttätig wahrnehmen kann oder möchte. Für sie macht es eben doch einen Unterschied, ob man offen vergewaltigt wurde oder eben durch Geschenke und Nähe zum Mittäter gemacht wurde.

Die überzeichnete Darstellung in den Medien und das Schwarz-Weiß-Denken in den Köpfen der Anderen verschließt so den Zugang der Betroffenen zu Ihrem eigenen Schicksal. Sie wären ja nicht richtig missbraucht. Außerdem wären sie ja Mittäter schließlich haben sie das ja mit sich machen lassen und vielleicht sogar noch teilweise körperliche Erregung empfunden.

Ich denke es ist deswegen um so wichtiger, dass wir klar machen, dass es nicht nur die körperliche Unversehrtheit, sondern auch die ungestörte psychosexuelle Entwicklung des Kindes ist, die von Rechts wegen geschützt ist.

Insofern möchte Ich Ihnen nochmals für Ihren Mut danken, trotz der Ablehnung, die Ihnen teilweise begegnet, so offen über die Umstände und Begebenheiten Ihres Missbrauchs zu reden.