Falschbeschuldigungen schaden der Beschuldigerin, dem Beschuldigten, allen Kriminalitätsopfern und der ganzen Gesellschaft

von Gabriele Gawlich

Dieser Artikel handelt von Frauen, die behaupten, von Männern vergewaltigt worden zu sein bzw. als Kind von einem Mann missbraucht worden zu sein, obwohl das erwiesenermaßen eine Lüge ist. Und weil es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, ist der Artikel etwas länger.

Es ist mir bewusst, dass es eine Vielzahl an echten Beschuldigungen gibt – diese will ich in diesem Artikel nicht behandeln.

Drei Beispiele dienen mir als Grundlage:


  1. Der Lehrer Horst Arnold wurde von einer Kollegin der Vergewaltigung beschuldigt und für 5 Jahre hinter Gittern gebracht. Arnold ist unschuldig. Er wurde später frei-gesprochen. Das Trauma um das Unrecht, das im widerfuhr, kostete ihm das Leben.

  2. Ein Mann saß 7 Jahre unschuldig im Gefängnis, weil er von seiner 15jährigen Tochter der mehrfachen Vergewaltigung beschuldigt worden war.

  3. Eine deutsche Kleinstadt wurde in Aufruhr versetzt, weil eine junge Frau behauptete, von drei Männern mit „osteuropäischem Akzent“ überfallen und missbraucht worden zu sein. Zwei Tage später stellte sich das als frei erfunden heraus.


Ich will nicht behaupten, dass Männer in solcher Situation keine Chance auf  Gerechtigkeit haben – so einfach ist das nicht – aber die beiden o.g. hatten keine Chance. Und im dritten Fall wurde in der Kleinstadt bereits eine Hetzjagd auf Ausländer gestartet, alle Narbigen wurden verdächtigt.

Mich machen solche Lügen und die Folgen der Lügen sehr traurig und betroffen. Aber leider kann ich wenig Verständnis für meine Betroffenheit finden. Im Gegenteil, ich werde wüst beschimpft und diffamiert - und dies besonders von Opfern sexualisierter Gewalt in der Kindheit.

Ich gewinne immer stärker den Eindruck, dass es betroffenen Frauen besonders schwerfällt zu erkennen, dass auch Männer zu unschuldigen Kriminalitätsopfern werden können. Die Tatsache, dass Frauen kriminelle Täterinnen sein können, wird ebenfalls gern verleugnet.

Es wirkt fast so wie eine religiöse Überzeugung, dass weibliche Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kindheit lebenslang unschuldig, ehrlich und die besseren Menschen sind. Auf männliche Betroffene wird dieses Bild seltener angewandt, sie werden schnell als zukünftige Täter abgestempelt.

So wurde z. B. argumentiert, dass jedes Mitleid mit den o.g. Männern sinnlos sei, weil sie ja doch schuldig sind. Auch wenn sie die ihnen vorgeworfenen Taten nicht begangen haben, haben sie sicherlich zu anderer Zeit dieselben oder andere Personen missbraucht. Das konnte man ihnen nur nicht nachweisen.

Dies ist dieselbe Argumentation, die Missbrauchsbetroffenen immer wieder entgegengebracht wird: Irgendetwas werden sie schon getan haben, damit der Täter auf sie übergriff. Mit anderen Worten, das Opfer ist schuld.

Seit ich in der ehrenamtlichen Betroffenenarbeit tätig bin, arbeite ich gegen solche oberflächlichen Schlussfolgerungen an. Es handelt sich hier um eine Täter-/Opfer-Umkehr. Dies schädigt die Opfer zusätzlich.

Um dies an meinem zweiten Beispiel zu zeigen: Die Tochter des zu Unrecht Verurteilten wurde missbraucht, aber nicht vom Vater, sondern von der Mutter. Diese missbrauchte ihre Tochter als Racheinstrument. Inwieweit hier auch eine sexuelle Komponente mitwirkte, kann ich nicht beurteilen. Unwahrscheinlich ist es nicht. Aber eines ist völlig klar: Die Mutter war Täterin, der Vater Opfer, die Tochter Instrument. Da sie damals minderjährig war, will ich ihr keine Schuld zuweisen.

Für die Argumentation, dass der Vater doch irgendwie und irgendwann ein Täter war und ist, ist ein Vorurteil konstituierend: Jeder Mann ist ein potentieller Vergewaltiger.

Ist das aber wirklich so?

Ich verstehe, woher das Vorurteil stammt: Betroffene von Kindesmissbrauch haben schlechte Erfahrungen gemacht. Sie wurden schwer traumatisiert, was ihre Entwicklung beeinflusste. Die Mehrheit der Täter ist männlich. (Frauen als Täterinnen sind immer noch ein Tabu und werden darum kaum thematisiert oder wahrgenommen.) Eine Folge dieser Traumatisierung ist bei vielen eine lebenslange Angst vor erneuten Übergriffen. Um sich zu schützen, begegnet man jedem Mann erst einmal mit Misstrauen.

Da man selber unschuldig war und Opfer wurde, hält man sich lebenslang für unschuldig.

Aber das Leben geht weiter, und damit ändern sich auch die äußeren Bedingungen sowie die eigenen Fähig- und Möglichkeiten. Irgendwann stimmt das Selbstbild der für immer Wehrlosen nicht mehr mit den Tatsachen überein.

Trotzdem leben viele Betroffene noch so – blenden einen wichtigen Teil des Lebens aus – den der Männer, die ohne bösartigen Hintergedanken nur nett und freundlich zu Frauen und Mädchen sind. Und weil dieser Teil ausgeblendet wird, nehmen sie ihn auch nicht wahr. Ihre Welt bleibt eine bedrohliche Welt voller männlicher Täter.

Die Schlussfolgerung daraus ist, dass man allen Männern schaden darf, sie verleugnen kann, sie falsch beschuldigen muss. Man ist davon überzeugt, dass die Falschbeschuldigung schon irgendwann richtig sein wird.

Wenn dann die Grenze von Glauben zum Handeln überschritten wird, wird man schuldig, wird zur Täterin, Falschbeschuldigung ist zu Recht eine Straftat – schon wegen der schwerwiegenden Folgen für die Beschuldigten. Und dabei ist es gleichgültig, ob man früher ein unschuldiges Opfer war.

Wenn man als erwachsene Frau kriminell handelt, ist man eine Täterin.

Dass die betroffenen unschuldigen Männer eine Entschädigung bekamen, macht die Folgen einer Falschbeschuldigung nicht nicht wieder gut: der Mann aus meinem ersten Beispiel ist tot, der Mann aus dem zweiten Beispiel wird wohl berufsmäßig nie mehr einen Fuß auf den Boden bekommen. Das Stigma des Vergewaltigers wird an ihm haften bleiben.

Bei vielen zu unrecht beschuldigten Männern kommt die Wahrheit nie ans Licht – ihr Leben wird vollständig zerstört.

Liebe Geschlechtsgenossinnen: Wollt ihr wirklich in einer Welt leben, in der ihr euren Partnern, euren Brüdern, euren Freunden, euren Söhnen, euren Vätern mit solchem massiven Misstrauen entgegentretet? Oder wollt ihr gar Männer für immer aus eurer Welt ausschließen?

Ich nicht! Ich habe Söhne, denen ich ein Schicksal wie in den drei Beispielen ersparen möchte. Meine Söhne sind keine potentiellen Vergewaltiger. Und zu meinem Leben gehören Männer, von denen keiner ein Vergewaltiger ist und aller Voraussicht nach, nie sein wird. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass die Mehrzal der Männer so sind – Vergewaltiger sind in der Minderheit.

Mein Leben wird durch Männer bereichert. Ich will, dass sie dazu gehören.

Außerdem: Frauen schaden durch Falschbeschuldigungen anderen Frauen. Jede Frau, jedes Kind wird es in Zukunft nach einer Vergewaltigung schwerer haben, Gehör, Unterstützung und Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Es ist uns allen bekannt, wie schwer es missbrauchte Mädchen und Jungen, Frauen und Männer vor Gericht haben. Beweise sind sind selten zu finden - Glaubwürdigkeitsgutachten belasten zusätzlich und fördern nicht die Wahrheit zutage. Oft gehen Verfahren zu Gunsten der Täter aus, selbst wenn alle Beteiligten wissen, wer Opfer und wer Täter ist.

Diese schwierige Situation wird verschlimmert, durch Frauen, die Männer bewusst falsch beschuldigen. Ermittlungsbehörden, die einmal damit konfrontiert werden, werden alle echten Opfer mit größerem Misstrauen behandeln.

Wollt ihr das?

Wenn euch das Leben von Männern egal ist - aus Solidarität mit Frauen: beschuldigt bitte Männer nicht der Vergewaltigung, wenn es nicht stimmt.

Zum Schluss ganz egoistisch gedacht: Wenn du einen Mann fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigst, schadest du dir selber. Es wird dir, wenn der Mann zu Unrecht bestraft wird, nicht besser gehen. Entweder ändert sich in deinem Leben gar nichts. Dein Problem wird dadurch nicht gelöst. Eventuell schlägt irgendwann dein Gewissen und es geht dir dann dadurch schlecht.

Oder du wirst beim Lügen ertappt, wie die junge Frau in meinem dritten Beispiel. Dann wirst du zur Verantwortung gezogen werden, strafrechtlich und finanziell. Dein Ruf in deiner Familie und Nachbarschaft wird zerstört sein.

Keines deiner Ziele wird durch eine Falschbeschuldigung erreicht werden. Probleme, die man mit Männern oder mit der Welt hat, kann man auch anders lösen.

Frauen und Männer gehören in dieses Leben. Beide können Opfer werden, beide können Täter werden. Die Behauptung einer nicht stattgefundenen Vergewaltigung schadet uns allen.