Die unabhängige Beauftragte beendet ihre Arbeit

Nun ist es also so weit – Frau Dr. Bergmann beendet ihre Arbeit als Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Aus diesem Anlass möchten wir – MOGiS e.V. - Eine Stimme für Betroffe – ihr für ihre geleistete Arbeit danken.

Wie viele vielleicht wissen, waren wir Anfang März 2010, als sie in Ihr Amt berufen wurde, sehr skeptisch. Wir gingen davon aus, dass ihr Amt dazu dienen soll, den öffentlichen Druck auf die Bundespolitik und die Tatortorganisationen abzumildern - sozusagen einen Deckel auf den überkochenden Topf zu legen.

Unsere Skepsis war nicht unbegründet, wie sich jetzt zeigt. Anscheinend ging es zum großen Teil doch seitens der Politik und der diversen Interessensvertretungen am Runden Tisch vor allem darum, die Dynamik aus der Diskussion zu nehmen und auf diese Art die Kontrolle über den öffentlichen Diskurs wiederzuerlangen.

Trotzdem hat Frau Dr. Bergmann die berechtigten Anliegen der Betroffenen in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit gerückt. Einer ihrer Verdienste ist es, dass sie den Betroffenen Möglichkeiten eingeräumt hat, sich im politischen Prozess der Aufarbeitung selbst zu artikulieren.

Frau Dr. Bergmann hat in den diversen Gremien immer wieder darauf hingewiesen, dass sie nicht für uns sprechen kann - sie ist nur unser Ohr, nicht aber unsere Stimme - Wir als Betroffene haben eine eigene Stimme und wollen diese auch benutzen.

Zu unserem Bedauern ist leider bis heute ihre Nachfolge nicht geklärt. Es ist auch noch nicht mal klar, ob es überhaupt einen Nachfolger/eine Nachfolgerin in diesem Amt geben wird und mit welchen Kompetenzen dieser ausgestattet sein wird.

Wir von MOGiS e.V. hoffen sehr, dass diese Lücke doch noch geschlossen wird. Es braucht eine unabhängige Stelle, die einen Anlaufpunkt darstellt und als solche Betroffenen und ihren Angehörige beratend zur Seite steht.

Auch braucht es einen unabhängigen Anwalt für die Berechtigten Interessen von Betroffenen. Diese geraten leider immernoch viel zu oft unter die Räder des politischen Prozesses.