Begriffsdefinitionen

von Kerstin Ludwig

In einer lesenswerten Artikelserie (Teil 1, Teil 2)  arbeitet Bettina Winsemann (Twister) gerade die verschiedenen Aspekte der derzeitigen Diskussion rund um den Missbrauch auf und verwendet dabei vornehmlich den Begriff „Kinderpornographie“.

Grund genug für viele Diskussionen rund um diesen Begriff.

Grundsätzlich ist es zunächst einmal so, dass das, was Frau von der Leyen als „Kinderpornografie“ vorgestellt hat, in der Tat die Dokumentation von sexuellem Missbrauch ist. Der Pornografiebegriff in diesem Zusammenhang ist einfach falsch und verschleiert den Blick auf das, was dort tatsächlich geschieht.

In der Artikelserie jedoch würde die Umdeutung rein auf die Dokumentation des sexuellen Missbrauches jedoch zu kurz greifen. Es geht ja vornehmlich um die Wertung der Diskussion und da ist es nicht nur legitim, sondern auch notwendig, dass der gebräuchliche Begriff
genutzt wird. Alles andere würde Verwirrung stiften und wiederum den Blick auf die Notwendigkeiten verwehren.

Denn eine derartige Zusammenfassung und Wertung ist dringend erforderlich. Die Diskussion fängt an, auszuufern und sich in Kleinigkeiten festzufressen, wo doch die großen Dinge noch nicht einmal geregelt sind.

Immer noch fehlen in den Schulen Sozialarbeiter, fehlen qualifizierte Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer, fehlen an allen Ecken und Enden Ansprechpartner.

Nach wie vor stehen Opfer und Überlebende völlig allein, wenn sie ihre Erfahrungen aufarbeiten wollen.

Trotz aller „Runden Tische“, trotz aller Lippenbekenntnisse hat sich hier wenig getan. Statt dessen wird die Zensurinfrastruktur über Brüssel etabliert, in der Hoffnung, dass die Proteste in den einzelnen Staaten dann ungehört verhallen.

Der politische Missbrauch der Opfer hat nicht aufgehört, im Gegenteil. Man bekommt das Gefühl, dass die Instrumentalisierung der Überlebenden für die Ziele einer Politik, die sie vorgeblich schützen soll, tatsächlich aber völlig andere Intentionen hat ("Kinderpornografie ist großartig weil Politiker sie verstehen") erst begonnen hat.

DAS sind die Dinge mit denen man sich beschäftigen sollte und muss. Eine Diskussion über Begriffsdefinitionen, deren Definitionshoheit eh nicht in den Händen Einzelner liegt, ist in diesem Fall nicht zielführend.

Wir bei MOGiS freuen uns über die gut recherchierte und ausformulierte Serie von Twister. Wir freuen uns auch auf die nächsten Artikel.